Basisbildung und Gender?

Veröffentlicht am 17. April 2013
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Genderkompetenz in der Basisbildung? Ist das nicht ein bisschen zu „abgehoben“, zu „hoch“ für uns?
Der Ansicht bin ich nicht, und dabei werde ich auch von Jürgen Budde und Angela Venth unterstützt, die in ihrem Buch „Genderkompetenz für lebenslanges Lernen: Bildungsprozesse geschlechterorientiert gestalten“ (Bertelsmann 2010) schreiben:
„Genderkompetenz ist […] kein „Luxusthema“, sondern eine zentrale Schlüsselkompetenz für das pädagogische Personal bei der Bewältigung sozialer und beruflicher Anforderungen.“ (23)
Die Idee, „zuerst einmal“ lesen und schreiben zu lernen, um sich dann „höheren Themen“ wie politischer Bildung, Partizipation oder eben Gender zu widmen, funktioniert nicht, sondern zeugt meiner Meinung nach vielmehr von einer problematischen Einstellung gegenüber Menschen mit Basisbildungsbedarf.
Der Begriff „Gender“ bezeichnet im weitesten Sinne das soziale Geschlecht eines Menschen, im Gegensatz zum englischen „sex“, dem biologischen Geschlecht. Im Deutschen gibt es keine Termini, die diesen Gegensatz widerspiegeln.
Gender BasicsIn der Definition von Barbara Hey (aus: Mörth, Anita P. / Hey, Barbara (Hg.): „Geschlecht und Didaktik“, Leykam 2010):
„Gender bezieht sich auf historisch und kulturell bedingte Mechanismen und bezeichnet kein Merkmal einer Person, sondern jene kulturelle Konstruktion, die für eine Gesellschaft festlegt, welche Rollen, Verhaltenszuschreibungen, Arbeits- und Handlungsfelder sowie sozialen Chancen mit der jeweiligen Geschlechtszugehörigkeit verbunden sind.“ (Hey 2010: 1)
Dies bedeutet somit, dass „Frau-Sein“ oder „Mann-Sein“ von Kultur zu Kultur unterschiedliche Auswirkungen hat, verschiedene Dinge ermöglicht oder manches, was zum Beispiel in Österreich als „selbstverständlich weiblich“ gilt, in einer anderen Gesellschaft „typisch männlich“ wäre oder keinerlei geschlechtliche Konnotation hätte – ein wichtiger Punkt der Bewusstmachung für Trainerinnen und Trainer, deren Teilnehmende Migrationshintergrund haben! Weiterlesen

Zählen statt Rechnen – Was tun?

Veröffentlicht am 10. April 2013
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Fingerbild

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Rechenproblemen liegen zumeist falsche Vorstellungen und Strategien zugrunde.
Die häufigste Fehlvorstellung besteht darin, Zahlen nicht als Gesamtheiten (als Zusammensetzungen aus anderen Zahlen), als „Wie viel?“, sondern als Rangplätze („der Wievielte?“) zu sehen. Additionen werden daher durch „weiterzählen“ im Kopf, oder mit Zuhilfenahme der Finger gelöst, Subtraktionen durch „zurückzählen“. Dies erfordert ein hohes Maß an Konzentration, birgt die Gefahr in sich, sich um eins zu verzählen und verunmöglicht die Automatisierung einfachster Grundrechnungen.
Zählverbote lösen dieses Problem nicht, da es den Personen nicht möglich ist, die Aufgabe auf andere Art zu lösen. Es muss daher zunächst eine Alternative zum zählenden Rechnen erarbeitet werden.

Der erste entscheidende Schritt besteht im Aufbau eines Zahlverständnisses, nämlich dass mit dem ausgesprochenen Zahlwort alle bis dorthin gezählten Elemente gemeint sind.  Weiterlesen

Yes, you can!

Veröffentlicht am 26. März 2013
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einsiedlerkrebsVor einigen Wochen tauchte eine junge Frau in meiner Kurspause auf. Sie bedankte sich im Namen ihrer Mutter  in astreinem Deutsch dafür, dass das, was für die Mutter – und übrigens auch für die ganze Familie – unmachbar erschien, doch funktioniert hat: Nasimeh  kann schreiben und ihr Deutsch wird immer besser. Nasimehs Tochter erzählte mir, wie glücklich ihre Mutter darüber sei, denn sie selbst hätte schon gar nicht mehr daran geglaubt, dass es irgendwann mit dem Schreiben klappen könnte. Solche – auch für TrainerInnen – wunderschönen Erlebnisse und die Reflexionen meiner Praxis machen mir immer bewusster, welche zentrale Rolle der Glaube an die LernerIn, die Zuversicht und die Ermutigung während des Lernprozesses spielen.

Die Kategorien „Ermutigung“, „Ermunterung“, „Aufmunterung“ und „Mut“ sind schon sehr lange explizite und implizite Elemente des pädagogischen Denkens, doch scheinen diese Begriffe derzeit eine Renaissance zu erleben. Beschäftigt man sich mit aktuellen Publikationen aus den Bereichen Didaktik, Psychologie, Pädagogik und Neurowissenschaften, so stößt man unweigerlich auf den Begriff Ermutigung. Weiterlesen

Wozu kollegiale Vernetzung und Weiterbildung…

Veröffentlicht am 11. November 2012
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Vernetzung unter TrainerInnen und BeraterInnen, die in der Praxis stehen, ist eine Grundvoraussetzung für qualitativ hochwertige Lehr- und Lernprozesse und Ergebnisse. Wissen kann man sich in einschlägigen Aus- und Weiterbildungen aneignen, zur Praxiskompetenz bedarf es jedoch mehr. Nämlich Austausch, Feedback, Reflexion. Weiterlesen