Social Media Szenario (2)

Es ist in der digitalen Kommunikation kaum denkbar, sich zu präsentieren, ohne akzeptabel schreiben zu können“, schreibt Philippe Wampfler am 21.11.2013 in seinem Blog, – und: “Beziehungen werden meist schriftlich angebahnt: Kommentare werden verfasst, Nachrichten ausgetauscht.“ Das ist der brauchbare Nutzen, den die Kursteilnehmenden von der Beschäftigung mit Social Media haben: Sie können an realen Beziehungen virtuell anknüpfen, neue Beziehungen virtuell anbahnen. Das ist gemeinhin das, was wir unter sozialer Teilhabe verstehen. Welche Möglichkeiten der Arbeit mit digitalen Medien in der Alphabetisierung und Basisbildung möglich sind, folgt hier:

VON BUCHSTABEN ZU WÖRTERN

Sprachsteuerung und Sprachausgabe

o Handy
Sprachsteuerung für Google-Suche, Sprachsteuerung für das SMS-Schreiben, Sprachsteuerung für Notiz-Erstellung
o Sprachausgabe am Win7-PC
Standardmäßig ist unter Windows 7 und Windows 8 eine amerikanische Stimme installiert. Diese Stimme kann deutsche Texte nur unverständlich vorlesen. Aus Lizenzgründen bietet Microsoft derzeit keine kostenlose deutsche Stimme zum Download an.
o Vorlesen lassen mit balabolka oder eSpeak
Tipp: Anleitung zur Installation deutscher Stimmen auf Clemi’s Seh-Blick
o Online vorlesen lassen auf naturalreaders.com
o iPad®: Screen Reader
Aktivierung direkt über den Touch Screen: gewünschte Textstelle markieren und „Sprechen“ aus dem Kontextmenü auswählen. Lesegeschwindigkeit ändern und gelesene Wörter hervorheben ist unter Einstellungen – Bedienungshilfen – Auswahl vorlesen möglich.

Kurz beschrieben

Bei der Sprachsteuerung zerlegt der Computer die aufgenommenen Sprechsequenzen in kleine Lauteinheiten. Dann sucht er aus seinem System das passende Schriftbild und zeigt es an. So können z. B. mit handelsüblichen Smartphones Suchwörter in Google eingesprochen, ein SMS diktiert, eine Sprachnotiz aufgenommen werden usw.

GOOGLE Sprachsuche
GOOGLE Sprachsuche

Damit lässt sich lebensnah trainieren und anwenden, was im Anfangsunterricht der Basisbildung gelernt wurde: Laute zu Silben und Wörtern verbinden, um Geschriebenes zu lesen; und umgekehrt: selbst Geschriebenes durch den Computer vorlesen lassen, um zu kontrollieren, ob es wieder in Sprache umgesetzt werden kann.
Geschriebenes kann vom Computer akustisch ausgegeben werden. Dazu sind mittlerweile keine teuren Programme mehr nötig. Mit Standardeinstellungen und Online-Anwendungen ist bereits eine akzeptable Sprachausgabe möglich.
Für den Anfangsunterricht in der Basisbildung lässt sich Sprachausgabe zur Selbstüberprüfung beim Lesen und Schreiben nutzen. Außerdem ermöglicht sie den Lernenden, in den (Hör-)Genuss längerer Texte zu kommen.

Läuft so ab

1. Gruppe einigt sich auf eine Liste von Silben oder Wörtern oder einen Text
2. Einsprechen bzw. vorlesen lassen im Stationen-Betrieb:
2. a. Handy: Wörter als Sprachnotiz oder SMS einsprechen und zur späteren Kontrolle absenden oder speichern.
2. b. Windows PC
Silben / Wörter eingeben und zur (Selbst-)Kontrolle vom Programm vorlesen lassen: entweder mit einer lokal installieren Vorlese-Software (Freeware wie z. B. balabolka oder eSpeak – s. o.) oder einfach www.naturalreaders.com aufrufen:

Natural Readers
Sprachausgabe mit NaturalReader®

2. c. Tablet (Bsp.: iPad®)
Silben-/Wortliste auf ein neues Notizblatt (z. B. mit der vor-installierten App „Notizen“) schreiben und mit Markieren & Sprechen vorlesen lassen. Selbst kontrollieren lassen. Zur Dokumentation und späteren Fremdkontrolle die Notiz bestehen lassen (Apple speichert automatisch).
Nachfolgende Gruppe / nachfolgende Person fügt mit dem + rechts oben eine neue Notiz hinzu.
3. Gemeinsames Kontrollieren und Bewerten
3. a. die erzeugten Elemente sichten, evtl. anonymisieren
3. b. die erzeugten Texte dem Original / der Textvorlage gegenüberstellen
3. c. die Lernenden evtl. Unterschiede wahrnehmen und dokumentieren lassen
3. d. Verbesserungsvorschläge sammeln und bewerten
3. e. die Lernenden den Wert der Arbeitsmethode für ihren eigenen Lernfortschritt beurteilen lassen
3. f. erzeugte Texte für die Lernenden sichern: ausdrucken o. ä.

Unterstützt diese Ziele

Laute verbinden und einschleifen, Laut-Buchstaben-Entsprechungen festigen, räumliche Orientierung (Reihenfolge, Lese-/Schreibrichtung), Selbstkontrolle, Aufmerksamkeits-steigerung durch spannende sprachliche Effekte: Umwandeln von Sprache in Text und umgekehrt, Silben lesen und zusammensetzen, Teamfähigkeit: Rollen einhalten und kontrollieren, Gruppenkommunikation (Kommandos, Kritik geben und nehmen), Medienkompetenz: Bedienung von Handy (Sprachsteuerung), bzw. PC  oder Tablet (iPad®), Umsetzungskompetenz im Alltag.

Braucht diese Vorbereitung / Materialien
• PCs oder Tablets oder Handys
– 
am besten in Gruppenstärke – falls nicht in Gruppenstärke verfügbar: Gruppen vor Geräten bilden, Rollen festlegen, mehrere Übungsdurchgänge mit vertauschten Rollen
• Handy
Idealerweise die TN-Handys benutzen, vor Beginn der Übung die Handy-BesitzerInnen um Erlaubnis zur Benützung durch GruppenkollegInnen fragen, ggf. Handy(s) zur Verfügung stellen
• PC
Internetseite mit NaturalReader® bzw. das Programm balabolka oder eSpeak eingabebereit zur Verfügung stellen
• Optimal: Ladegeräte bereithalten
• Lernwortschatz / Wortliste / Text
Der zu lesende Text / die zu lesenden Wörter
- müssen auf dem Gerät digital zur Verfügung stehen, um sie mit „kopieren“ und „einfügen“ in das Vorlese-Programm  zu bekommen
- müssen von den Lernenden – am besten von einem Blatt Papier – abgelesen, gemerkt und eingetippt werden
• Überlegungen bzw. Übungen zur Niveau-Änderung
Aufgaben gedanklich oder schriftlich vorbereiten, die vor- oder nachgeschoben werden können: Aufgaben in einzelne Schritte zerlegen, bei der Ausführung assistieren, mehrere Übungsdurchgänge (mit den gleichen oder mit anderen Wörtern, Texten) durchführen
• Analoge Materialien bereithalten
Im Fall eines Strom- oder Netzausfalls sollte Material zur Weiterarbeit bereitstehen:
- Lernende oder Kursleitung lesen Wörter / Text vom Papier und imitieren dabei eine Roboterstimme (schult die Zerlegung von Sprache in Sprechsilben). Das Publikum setzt das Gehörte in Geschriebenes um. Anschließend gemeinsame Kontrolle und Bewertung der Übung durch die Lernenden.
- Laufdiktat
Ein Blatt Papier wird an einer Stelle im Raum platziert. Alle suchen sich einen Schreibplatz, von dem aus sie zum Papier gehen (oder sogar laufen). Dort angekommen, lesen sie die Wörter bzw. den Text und merken ihn sich. Damit gehen / laufen sie zurück zum Schreibplatz und schreiben das Gemerkte nieder. Das mehrmalige Hin- und Her-Bewegen bringt Geist und Körper in Bewegung und schult die Merkfähigkeit. Anschließend gemeinsame Kontrolle und Bewertung.
- Smartphones besitzen üblicherweise eine App, die funktioniert wie ein Diktiergerät: z. B. „Sprachmemo“ auf Samsung-Galaxy R oder „Diktiergerät“ auf Samsung Galaxy S 4. Damit lassen sich Texte unkompliziert aufnehmen. Die Aufnahmefunktion kann zum Dokumentieren des Lautierens, Silben-Lesens oder der Aussprache-Schulung genutzt werden. Warum? Lerneffekte werden verstärkt, wenn die Fortschritte oder ihre Hindernisse von den Lernenden akustisch nachvollzogen werden können.

Tipps dazu

• Den Lebens- oder Lernziel-Bezug herzustellen erhöht die Motivation von Lernenden, sich auf technische Hilfsmittel einzulassen. Daher sollten in der Einstiegsphase die Anwendungsmöglichkeiten für Sprachausgabe, Vorlesefunktionen und Sprachsteuerung im Alltag demonstriert werden:
- Sprachnotizen als schnelle Notiz im Gehen oder Stehen
- SMS im Gehen schicken
- Vorlesefunktion für das Internetsurfen
- Vorlesefunktion für schwierige Textstellen
- usw.
• Bei diesen Anregungen fallen den Lernenden vielleicht noch mehr Anwendungen für ihre eigenen (Lern-)Zwecke ein. Bitte diese Ideen in einem Brainstorming (online) sammeln und am Ende der Lerneinheit / in der darauffolgenden Lerneinheit darauf zurückkommen.
• Bei der Probe aufs Exempel lässt die Kursleitung die Teilnehmenden das Gelernte auf Umsetzungsrelevanz testen: die Gruppe macht z. B. Sprachnotizen auf der Straße, schickt im Gehen SMS, spricht im Bus ein Suchwort in die Google-Suche des Handys ein o. ä.
• Bei großen Unterschieden im Lernniveau zwischen den Lernenden empfiehlt sich eine differenziertere Rollenaufteilung: Eingabe-, Kontroll- und Unterstützungsrollen auf verschiedene Personen aufteilen. So gerät der didaktische Mehrwert „Geräte-Bedienung“ nicht zur Lernziel-Überforderung.


BUCHSTABEN UND SUCHWORTE

o in Word-/PDF-Dokumenten, auf Webseiten (Strg+f)
o in Suchmaschinen: YouTube, bing, Google, Yahoo, …
o auf Social Media Plattformen: YouTube, twitter, facebook
o auf eGovernment-Seiten (im Suchfeld oder mit Strg+f):
o Metalogo-Alphabet:  Online-Mindmap mit Buchstaben-Bildern, Bilder zu Wörtern googlen, durch Geschäftsstraßen gehen (mit oder ohne Kamera) und Buchstaben von Firmen-Logos sammeln (H&M, C&A, …), um damit das Alphabet zu bauen.

Kurz beschrieben

Die Suche im Internet ist ein klassischer Anwendungsfall von Buchstaben-Kenntnissen, Lauttier- und Buchstaben-Reihenfolgen. Anhand von Verzeichnis-sen und sortierten Suchergebnissen können sie gut geübt werden: Telefonbuch (www.herold.at), Straßenverzeichnisse (www.strassensuche.at), Suchkategorien auf www.ebay.at, Autovervollständigen (= Ergänzungsvorschläge) in allen Suchfenstern (YouTube, Google, www.geizhals.at, …), Bildersuche (GOOGLE Bilder)

GOOGLE Suchfeld mit Autovervollständigen

GOOGLE Suchfeld mit Autovervollständigen

Läuft so ab

1. Die Gruppe einigt sich auf eine Suchanfrage.

Die Kursleitung hält die Suchanfrage akustisch (Diktafon) oder schriftlich fest.
2. Suchwörter (Schreibweisen) werden auf Papier (Kärtchen) gesammelt.
3. Die Gruppe wählt die erfolgversprechendsten aus.
4. Das Suchwort wird eingegeben:
4. a. Eine Person gibt ein. Die anderen kontrollieren und verwalten die wei-teren Suchwörter.
4. b. Paar-Arbeit: Jedes Paar gibt an einem internetfähigen Gerät (Handy, Tablet, Notebook o. ä.) ein.
5. Bei unklarer Eingabe („Stattdessen suchen nach …“) beurteilt Gruppe oder Paar Schreib-Vorschläge des PCs und wählt aus.
6. Fortgeschrittene Gruppenmitglieder / Kursleitung / Vorlese-Funktion liest das Suchergebnis vor.
7. Die Kursleitung bemüht sich mit den Gruppenmitgliedern um das Textverständnis: Textorientierung und inhaltliche Aussage
8. Die Gruppe vergleicht das Suchergebnis mit der festgehaltenen Suchan-frage und bewertet die Passgenauigkeit.

Unterstützt diese Ziele

Laute verbinden und einschleifen, Laut-Buchstaben-Entsprechungen festigen, räumliche Orientierung (Reihenfolge, Lese-/Schreibrichtung), Selbstkontrolle, Aufmerksamkeits-steigerung durch überraschende Suchergebnisse, Teamfähigkeit: Rollen einhalten und kontrollieren, Gruppenkommunikation (sich einigen, aktiv zuhören), Medienkompetenz: Medieninhalte bewerten, Umsetzungskompetenz im Alltag.

Vorbereitung / Materialien

• PCs oder Tablets oder Handys

am besten in Gruppenstärke, falls nicht in Gruppenstärke verfügbar: Gruppen vor Geräten bilden, Rollen festlegen, mehrere Übungsdurchgänge mit vertauschten Rollen
• Handy
Idealerweise die TN-Handys benutzen, vor Beginn der Übung die Handy-BesitzerInnen um Erlaubnis zur Benützung durch GruppenkollegInnen fragen, ggf. Handy(s) zur Verfügung stellen
• PC
Internetseite mit
o Suchmaschine (Herold, Google, …)
o Vorlese-Programm oder Screen Reader eingabebereit zur Verfügung stellen.
• Optimal: Ladegeräte bereithalten
• Diktiergerät, Moderationskarten, Stifte
• Analoge Materialien bereithalten
Im Fall eines Strom- oder Netzausfalls könnte auf Straßenkarten, Atlan-ten, gedruckte Telefonbücher, Kataloge u. ä. zurückgegriffen werden.

Tipps dazu

Hier den Lebens- oder Lernziel-Bezug herzustellen, fällt nicht schwer. Die Anwendungsmöglichkeiten von alphabetischer Reihung vorzeigen, macht für die Lernenden die Umsetzung und Übertragung der Lerninhalte in den Alltag nachvollziehbar. Die Fähigkeit zur eigenständigen Übertragung (Umsetzungskompetenz) ist nicht automatisch vorhanden und braucht oft ausdrückliche Förderung.

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