Basisbildung und Gender?

Genderkompetenz in der Basisbildung? Ist das nicht ein bisschen zu „abgehoben“, zu „hoch“ für uns?
Der Ansicht bin ich nicht, und dabei werde ich auch von Jürgen Budde und Angela Venth unterstützt, die in ihrem Buch „Genderkompetenz für lebenslanges Lernen: Bildungsprozesse geschlechterorientiert gestalten“ (Bertelsmann 2010) schreiben:
„Genderkompetenz ist […] kein „Luxusthema“, sondern eine zentrale Schlüsselkompetenz für das pädagogische Personal bei der Bewältigung sozialer und beruflicher Anforderungen.“ (23)
Die Idee, „zuerst einmal“ lesen und schreiben zu lernen, um sich dann „höheren Themen“ wie politischer Bildung, Partizipation oder eben Gender zu widmen, funktioniert nicht, sondern zeugt meiner Meinung nach vielmehr von einer problematischen Einstellung gegenüber Menschen mit Basisbildungsbedarf.
Der Begriff „Gender“ bezeichnet im weitesten Sinne das soziale Geschlecht eines Menschen, im Gegensatz zum englischen „sex“, dem biologischen Geschlecht. Im Deutschen gibt es keine Termini, die diesen Gegensatz widerspiegeln.
Gender BasicsIn der Definition von Barbara Hey (aus: Mörth, Anita P. / Hey, Barbara (Hg.): „Geschlecht und Didaktik“, Leykam 2010):
„Gender bezieht sich auf historisch und kulturell bedingte Mechanismen und bezeichnet kein Merkmal einer Person, sondern jene kulturelle Konstruktion, die für eine Gesellschaft festlegt, welche Rollen, Verhaltenszuschreibungen, Arbeits- und Handlungsfelder sowie sozialen Chancen mit der jeweiligen Geschlechtszugehörigkeit verbunden sind.“ (Hey 2010: 1)
Dies bedeutet somit, dass „Frau-Sein“ oder „Mann-Sein“ von Kultur zu Kultur unterschiedliche Auswirkungen hat, verschiedene Dinge ermöglicht oder manches, was zum Beispiel in Österreich als „selbstverständlich weiblich“ gilt, in einer anderen Gesellschaft „typisch männlich“ wäre oder keinerlei geschlechtliche Konnotation hätte – ein wichtiger Punkt der Bewusstmachung für Trainerinnen und Trainer, deren Teilnehmende Migrationshintergrund haben!
Im Internet finden sich viele Arbeitsbehelfe, die Genderkompetenz bei TrainerInnen als auch TeilnehmerInnen fördern können, drei davon seien hier exemplarisch angeführt:
• Schwanzer, Susanne: Gender Didaktik – Gleichstellungsorientierung im Training: Forschungsergebnisse, Methoden und Settings, Übungen und Arbeitsblätter. Wien 2004. Download unter http://www.ams.at/_docs/300_genderdidaktik.pdf
• Mosberger, Brigitte / Steiner, Karin / Jelenko, Marie / Fritsch, Clara / Leuprecht, Eva: Praxishandbuch Methoden der Berufs- und Arbeitsmarktorientierung für Frauen. Herausgegeben von abif & AMS Österreich. Wien 2007. Download unter http://www.abif.at/deutsch/download/Files/62_AMS_PH_BO_Frauen.pdf
• Wittmann, Beate: Handbuch für politische Bildung in der Basisbildung. Anregungen und Übungen. Erschienen im Rahmen der Entwicklungspartnerschaft In.Bewegung II. Eigenverlag 2010. Download unter http://www.bhw-n.eu/system/web/zusatzseite.aspx?menuonr=220069097&detailonr=220073690.
Reinklicken und ausprobieren lohnt sich!
(alle Internetquellen zuletzt eingesehen am: 04. April 2013)

Ein Gedanke zu “Basisbildung und Gender?

  1. Wer Gender in der Basisbildung als zu abgehoben bezeichnet, versteht nichts von Genderkompetenz. Sie den Teilnehmenden erst ab einem bestimmten Level zu vermitteln bedeutet, ihnen Entwicklungsmöglichkeiten vorzuenthalten und Lernhindernisse bewusst stehen zu lassen – vorsätzliche Unterlassung also.
    Danke für diesen Beitrag!

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