Yes, you can!

einsiedlerkrebsVor einigen Wochen tauchte eine junge Frau in meiner Kurspause auf. Sie bedankte sich im Namen ihrer Mutter  in astreinem Deutsch dafür, dass das, was für die Mutter – und übrigens auch für die ganze Familie – unmachbar erschien, doch funktioniert hat: Nasimeh  kann schreiben und ihr Deutsch wird immer besser. Nasimehs Tochter erzählte mir, wie glücklich ihre Mutter darüber sei, denn sie selbst hätte schon gar nicht mehr daran geglaubt, dass es irgendwann mit dem Schreiben klappen könnte. Solche – auch für TrainerInnen – wunderschönen Erlebnisse und die Reflexionen meiner Praxis machen mir immer bewusster, welche zentrale Rolle der Glaube an die LernerIn, die Zuversicht und die Ermutigung während des Lernprozesses spielen.

Die Kategorien „Ermutigung“, „Ermunterung“, „Aufmunterung“ und „Mut“ sind schon sehr lange explizite und implizite Elemente des pädagogischen Denkens, doch scheinen diese Begriffe derzeit eine Renaissance zu erleben. Beschäftigt man sich mit aktuellen Publikationen aus den Bereichen Didaktik, Psychologie, Pädagogik und Neurowissenschaften, so stößt man unweigerlich auf den Begriff Ermutigung.

Für den zur Zeit auf und ab zitierten Gehirnforscher Manfred Spitzer manifestiert sich Entmutigung oft als Demotivierung und so fordert er: “Die flächendeckende Demotivierung im Unterricht muss durch ein Ja, ich kann! vom Kindergarten bis zur Universität ersetzt werden.”

Doch was steckt eigentlich hinter den Begriff „Ermutigung“?

frick ermutigung

Ermutigung soll der persönlichen Weiterentwicklung dienlich sein und dem Menschen Mut und Selbstvertrauen einflößen. Für den Entwicklungspsychologen Jürg Frick handelt es sich bei Ermutigung nicht um eine Methode, sondern um eine „Grundhaltung“, die sich ein Mensch in langjähriger Erfahrung aneignen muss, denn „wer andere ermutigen will, muss sich selber ermutigen können“ (Frick 2007: 51).

Laut Frick bilden ermutigende, differenzierte und nicht übertriebene Feedbacks durch primäre Bezugspersonen die Voraussetzung für eine Entwicklung von Mut und Selbstvertrauen.

Wer sind die „Ermutiger“ und wie funktioniert das überhaupt?

Lerner werden durch Zuversicht und durch den Glauben an ihre Fähigkeiten durch die Lehrperson/TrainerIn ermutigt. Zuversicht oder deren Mangel ist erlernt und nicht vererbt. Durch Erlebnisse in der Kindheit und durch den Einfluss wichtiger Bezugspersonen wie Eltern, Lehrer, Freunde wird gelernt, Ereignisse positiv oder negativ zu betrachten.

Auch ein alter Hund kann noch immer neue Kunststücke lernen, sollte also die  neue Aufforderung  im Gegensatz zu „an old dog does not learn a new trick!“ heißen! Wirklich veranschaulichen kann das  wahrscheinlich nur mein Lieblingscartoonist  Gerry Larson:

 Empowerment durch Ermutigung

larson ermutigung

Für Lerner ist es wichtig die Erfahrung zu machen, aus schwierigen Situationen mit eigener Anstrengung herauszukommen und dabei durch Bezugspersonen ermutigt zu werden, denn dann gelangen Menschen zu der Überzeugung, dass sie weder wehr- noch hilflos sind. In diesem Zusammenhang wirkt Ermutigung auch auf die interne Kontrollüberzeugung. Je öfter wir Menschen diese Erfahrung gemacht haben und je unterschiedlicher die Bereiche waren, umso tiefer sind diese Überzeugungen in unser Gehirn eingeprägt. Die eigenständige Lösung von Problemen wird zur positiven Erfahrung, die in Zuversicht und in Selbstvertrauen mündet. Über die starke Kraft und Bedeutung von Zuversicht und Selbstvertrauen sind sich Psychologen wie Gehirnforscher einig.

In diesem Sinne: Hört  nicht auf, an eure Lerner und Lernerinnen zu glauben, denn „Yes, they can!“  oft mehr als man  selbst glaubt.

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